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Informationen für Patienten / Patientinnen

Thoraxchirurgie – was bedeutet das?

Thoraxchirurgie bedeutet Operationen im Bereich des Brustkorbes (= Thorax).

Hierzu zählen besonders Eingriffe im Bereich der Lungen und des Atemwegsystems einschließlich der Luftröhre, aber auch der Organe des Mittelfellraumes sowie der Brustwand. Der Mittelfellraum (Mediastinum) liegt zwischen beiden Lungenflügeln. Hier finden sich die Thymusdrüse, Lymphknoten, Speiseröhre, Brust- Milchgang (Ductus thoracicus), der Herzbeutel, Nerven und Gefäße (vgl. Abb. 1). Zur Brustwand gehören Rippenfell, Rippen, Brustbein, Schulterblatt und Muskeln.

Modell des Brustkorbes mit dem Mittelfellraum mit Luftröhre (1), Hauptatemweg rechts (2), Hauptatemweg links (3), Speiseröhre (6) und Körperschlagader (7); das Herz, die Thymusdrüse und die herznahen großen Gefäße wurden aus Gründen der Übersicht nicht eingefügt.
1: Luftröhre; 2: Hauptbronchus rechts; 3: Hauptbronchus links; 4a: Lungenoberlappen rechts; 4b: Lungenmittellappen; 4c: Lungenunterlappen rechts; 5: linker Lungen-flügel; hier werden die Verzweigungen von Atemwegen und Gefäßen gezeigt; 6: Speiseröhre; 7: Körperschlagader; 8: Zwerchfell; 9: Zwerchfellkuppel; 10: Magen.

Lungenmedizin – von der Vergangenheit zur Gegenwart

Im April 1928 wurden im niedersächsischen Delmenhorst die Städtischen Kliniken eröffnet. Gleichzeitig wurde auf dem Gelände des Krankenhauses auch das erste „Infektionshaus“ eingeweiht. Hier wurden hauptsächlich Patienten mit Tuberkulose versorgt, einer Infektionskrankheit, die damals weit verbreitetet war. Die Anlage bot mit dem Pavillon- System und den großen Balkonen günstige Voraussetzungen für die Behandlung der „Weißen Pest“, wie die Tuberkulose auch genannt wurde.

Ende des 2. Weltkrieges musste die Klinik erweitert werden, da sich die Stadtbevölkerung in Delmenhorst rasch verdoppelte. Mit Einführung wirkungsvoller Medikamente gegen die Tuberkulose nahm zwar die Zahl der Patienten mit dieser Erkrankung deutlich ab; gleichzeitig stieg aber die Häufigkeit von Lungenkrebs (Bronchialkarzinom) und vom bösartigen Rippenfellkrebs (Pleura-mesotheliom) stark an. Hauptursachen waren der zunehmende Zigarettenkonsum nach dem Krieg in der Zeit ab 1950 und (besonders bei den Werftarbeitern) die Belastung durch Asbest am Arbeitsplatz, dessen Gefahr man noch nicht kannte. Auch nicht- bösartige Erkrankungen der Lungen und Atemwege – wie z.B. Asthma, Infektionen und Verletzungen – mussten immer häufiger behandelt werden. Neue Narkose- und Operationstechniken ermöglichten die chirurgische Entfernung von Lungentumoren und die Behandlung von Komplikationen, die im Rahmen von Entzündungen entstanden. Neben der internistischen (konservativen) Lungenheilkunde etablierte sich die Thoraxchirurgie (Thorax = Brustkorb).

Im Juli 2016 erfolgte der Zusammenschluss zwischen dem Joseph- Stift und dem Klinikum Delmenhorst zum Josef- Hospital Delmenhorst.

Josef- Hospital Delmenhorst, Niedersachsen (Deutschland); ältester Gebäude- komplex aus der Gründungsepoche in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Thoraxchirurgie heute

In der Klinik für Thoraxchirurgie werden zurzeit ca. 620 Patienten pro Jahr ambulant und stationär betreut. 2017 wurden 369 Patienten operativ unter stationären Bedingungen versorgt. 61% der Operationen wurden auf minimal- invasiven Weg (mit der Schlüsselloch- Technik) durchgeführt. Bei 29% der Patienten wurde der Schnitt vorne unter dem Brustmuskel mit einer Länge von ca. 8cm vorgenommen, bei 10% der Patienten kam ein im Hause neu entwickeltes Verfahren mit Kombination herkömmlicher und endoskopischer Techniken (Schlüsselloch- Chirurgie) zur Anwendung. Die mittlere Aufenthaltsdauer lag bei 7.4 Tagen, die Dauer der intensivmedizinischen Behandlung betrug nach großen Lungenoperationen durchschnittlich 1.3 Tage. Die Sterblichkeit bei Entfernung eines Lungenlappens betrug 2016 0% (Durchschnittswert in Deutschland: 1-4%), bei Entfernung eines ganzen Lungenflügels 0.3% (Durchschnitt in Deutschland 6-17%)und bei erweiterten Operationen mit Entfernung des Lungenflügels und Gefäßersatz oder Gefäßversorgung direkt am Herzen innerhalb des Herzbeutels 0.9% (Durchschnittswert in Deutschland 8-19%). Die Häufigkeit von allgemeinen Komplikationen lag bei 1,8% (Durchschnittswert von allen Operationen, unabhängig vom Ausmaß). Häufigste Komplikation war mit 62% an der Komplikationsrate die Lungenentzündung nach der Operation.Wundinfektionen traten nicht auf.

Die mittlere Wartezeit zur stationären Aufnahme beträgt 2-4 Tage; in Notfällen ist eine Aufnahme jederzeit möglich.

Die Klinik für Thoraxchirurgie umfasst heute drei Hauptbereiche:

Im 2008 bezogenen Bettenhaus finden sich geräumige, ansprechend gestaltete Patientenzimmer mit modernen sanitären Anlagen, TV- und Rufanlagen.

Klinik für Thoraxchirurgie, Neubau, Bezug am 01.01.2008.

Rezeption der Station 31 (Thoraxchirurgie).

Patientenzimmer der Station; geräumig, hell und freundlich gestaltet, ausgestattet mit behindertengerechten sanitären Anlagen in jedem Zimmer.

Thoraxchirurgischer Ambulanztrakt.

Für die operative Versorgung der Patientinnen und Patienten stehen der Fachklinik entsprechende Kapazitäten in den hochmodern ausgestatteten Funktionsbereichen Endoskopie, Operationsabteilung und Intensivstation sowie Intermediate Care- Station zur Verfügung. In den letzten 14 Jahren wurden umfangreichste medizinische, technische und personelle Sicherheits- und Kontrollmaßnahmen eingeführt, die eine intensivmedizinische Betreuung nach höchsten Sicherheitsstandards ermöglichen.

Interdisziplinäre Intensivstation.

Das thoraxchirurgische Team

Zur Versorgung der Patientinnen und Patienten mit Erkrankungen innerhalb des Brustkorbes steht ein Team aus Spezialisten bereit:

Prof.HUST WuhanDr.med. Martin Teschner
(e-mail: m.teschner@jh-del.de)

Frau Iris Martens, Chefsekretärin
Tel.: 00494221 – 994263; FAX 0049/ 4221- 994265

Interdisziplinäre Intensivstation.

Hoch spezialisiert und erfahren in der Pflege thoraxchirurgischer Patientinnen und Patienten: Das Pflege- Team der Station 31 (TCH)

Das Team der Abteilung für Physiotherapie.

Operationen

Der Klinik für Thorax- und Gefäßchirurgie im Brustkorb stehen alle modernen technischen und apparativen Möglichkeiten zur Diagnostik und Behandlung von Krankheiten der Lunge und des Mittelfellraumes zur Verfügung. Hierzu gehören minimal- invasive Verfahren („Schlüsselloch- Chirurgie“ zur Brustkorb-, Atemwegs- und Mittelfellraumspiegelung), Gefäßersatz und Operationen mittels Laser und Argon- Beamer.

Vor- und Begleiterkrankungen werden besonders berücksichtigt. Hierzu stehen eine Reihe von Spezialisten wie Lungenfachärzte, Fachärzte für Innere Medizin, Herzerkrankungen (Kardiologen), Narkoseärzte und Intensivärzte bereit.

Bei den Operationen sind nicht nur Techniken zur Lungenteilentfernung, sondern auch zum Erhalt und Ersatz von zentralen Blutgefäßen entscheidend. Mit diesen Verfahren kann gesundes Lungengewebe häufig erhalten werden, das ohne die gefäßchirurgischen Techniken – zum Beispiel bei der Operation von Lungenkrebs – entfernt werden muss. Die Lebensqualität bleibt nach der Operation dann deutlich besser, weil die körperliche Belastbarkeit nicht so stark eingeschränkt wird. Gefäßchirurgisch können auch angeborene und erworbene Veränderungen der Blutgefäße operiert werden. Daher wurde in der Klinik die Thorax- mit der Gefäßchirurgie kombiniert.

Neuentwicklungen der Klinik für Thoraxchirurgie sind Verfahren, die herkömmliche chirurgische Techniken mit der Schlüsselloch- Technik kombiniert (die sog. interventionelle Chirurgie). Dadurch sind auch bei größeren Eingriffen nur kleine Schnitte notwendig, so dass die Belastung durch die Operation deutlich sinkt (Abb. 14 und 15).

Eingezeichnete Schnittführung (rot) im Bereich des rechten Brustkorbes für eine größere Lungenoperation im kombinierten Verfahren mit herkömmlichen chirurgischen und minimal- invasiven Techniken („Schlüsselloch- Chirurgie“).

Wenig körperlich belastende kleine und kosmetisch günstige Schnittführung zur Lungenoperation (26-jährige Patientin; Befund 21 Tage nach Entfernung eines entzündlich- zerstörten Lungenareals).

Die Klinik entwickelte in den letzten Jahren auch zahlreiche Methoden, um Störungen des Zwerchfells und des Zwerchfellnerven zu beheben. Da das Zwerchfell eine wichtige Aufgabe in der Atmung übernimmt, leiden die Patienten unter heftiger Atemnot, wenn es ausfällt. Diese Atemnot kann jetzt häufig durch diese neuen Techniken beseitigt werden.

Überblick über das operative Spektrum

Operiert werden Kinder (ab 5 Jahre) und Erwachsene (ohne Altersgrenze) mit

  • Tumoren der Lunge, der Luftröhre sowie der Atemwege und des Mittelfellraumes (Mediastinum), zum Beispiel:
    • a. Bronchialkarzinome (Lungenkrebs)
    • b. Trachealkarzinome (Krebs der Luftröhre)
    • c. Metastasen (Absiedlungen von bösartigen Tumoren)
    • d. Rippenfelltumoren (zum Beispiel Pleuramesotheliome)
    • e. gutartige und bösartige Veränderungen der Thymusdrüse (Thymome).
  • Entzündungen innerhalb des Brustkorbes (z.B. Abszesse der Lunge, Rippenfelleiterungen)
  • chronischen Verletzungsfolgen (z.B. nach Unfällen)
  • Blasen- und Zystenbildungen der Lunge (Emphysem)
  • Folgen der Tuberkulose
  • Angeborene Fehlbildungen der Lunge und der Atemwege (z.B. der Lungengefäße, sog. Sequester und Zysten)
  • Luftröhrenveränderungen (Verengungen, Risse).

Nicht operiert werden

  • Patienten mit Herzerkrankungen, bei denen der Einsatz der Herz-/ Lungenmaschine erforderlich ist (z.B. koronare Bypass- oder Herzklappenoperation);
  • Gefäßveränderungen der Körperschlagader (Aorta) zentral bis zum Abgang der Schlüsselbeinarterie (A. subclavia) links.

Schmerzen können sehr gut durch Medikamente behandelt werden, die auf Wunsch durch kleine Katheter (sog. Periduralkatheter) gegeben werden.

Beispiel für die Operation eines Tumors in der Luftröhre. Schematische Zeichnung. Nach Entfernung des Tumors werden die Enden der Luftröhre durch spezielle Naht-techniken wieder vereint.

Kontakt – Anmeldung zur Untersuchung und Behandlung

Sekretariat (Montag bis Donnerstag 8.00 – 17.00 Uhr, Freitag 8.00 – 14.00 Uhr):

Tel.: Inland 04221/ 99 4263

FAX: Inland 04221/ 99 4265

e-mail: m.teschner@jh-del.de

Notfälle (jederzeit): Tel. 04221/ 99 – 3 (Zentrale) oder 04221/ 99 4010 (Zentralambulanz)

Anreise zur Klinik

Die Klinik liegt in Deutschland Niedersachsen (Norddeutschland) Delmenhorst (nahe Bremen).

Anfahrt mit dem PKW

Aus Bremen über die A28 oder die A1, über die A1 Richtung Osnabrück Abfahrt Delmenhorst- Ost, dann Abfahrt Delmenhorst- Deichhorst

Anfahrt mit der Bahn

Hauptbahnhof Delmenhorst, aus dem Bahnhof herausgehen über die Straße zum Busbahnhof, Bus Nr. 201 nehmen mit der Aufschrift „Wildeshauser Straße/ Krankenhaus“, direkt vor dem Hospital aussteigen.

Anfahrt mit der Bahn

Hauptbahnhof Delmenhorst, aus dem Bahnhof herausgehen über die Straße zum Busbahnhof, Bus Nr. 201 nehmen mit der Aufschrift „Wildeshauser Straße/ Krankenhaus“, direkt vor den Städt. Kliniken aussteigen.

Anfahrt mit dem Bahnbus von Bremen

Bremen- Hauptbahnhof, hält Delmenhorst Hauptbahnhof, Umsteigen zum Stadtbus Delmenhorst Nr. 201.

Umgebung und Therapieweg in der Natur des Josef- Hospitals Delmenhorst.

Klinikgelände mit weiten Wald und Wiesenflächen.

1. „Ich habe doch gar nichts gemerkt. Wieso kann denn dann in der Lunge ein Tumor sein?“

Antwort:

Es ist gerade beim Lungenkrebs das Tückische, dass Beschwerden und Symptome erst spät auftreten oder erst zu einem späten Zeitpunkt bemerkt werden. Dies hat verschiedene Gründe:

Im Lungengewebe selbst gibt es keine Schmerznerven, das bedeutet, es kann ein Tumor wachsen, ohne dass es weh tut. Schmerzen treten erst dann auf, wenn der Krebs auch in das Rippenfell einwächst. Dann ist in der Regel aber schon ein fortgeschrittenes Stadium erreicht. Dies gilt auch für den Fall, wenn der Tumor zu Beklemmungsgefühl oder uncharakteristischen Schmerzen führt, weil er auf die Organe des Mittelfellraumes (z.B. das Herz, große herznahe Gefäße) drückt.

Husten kennt jeder Raucher, besonders am Morgen. Das ist also kein ungewöhnliches Phänomen. Häufig besteht auch seit Jahren Auswurf, so dass die Betroffenen keinen Anlass zur Besorgnis sehen.

Gewicht abzunehmen wird heute von vielen Menschen angestrebt und ist daher willkommen, umso eher, wenn es fast von selbst geht. Auch der Appetit lässt nach, für viele Betroffene eine gute Erklärung für die Gewichtsabnahme. Häufig wird auch erst ein Gewichtsverlust bemerkt, der mehrere Kilogramm beträgt. Da er sich im Rahmen einer Krebserkrankung schleichend über Monate entwickelt, liegt nicht selten ein fortgeschrittenes Tumorstadium vor.

Atemnot und verminderte körperliche Belastbarkeit sowie zunehmende Müdigkeit entwickeln sich ebenfalls häufig schleichend und können daher sowohl von den Betroffenen als auch von deren Angehörigen nicht oder nur schwer bemerkt werden.

Ebenso wird eine fahle, blasse Haut in der Regel erst von Bekannten erkannt, die den Betroffenen längere Zeit nicht gesehen haben und die daher eine Vergleichsmöglichkeit haben.

2. „Gibt es Warnhinweise für Lungenkrebs?“

Antwort:

Warnsymptome sind

  • anhaltender Husten; „anhaltend“ bedeutet, Husten über einen Zeitraum von 4 Wochen hinaus, auch während der kalten Jahreszeit, selbst im Falle einer Grippewelle. Aufmerksam sollte man nicht nur bei Husten mit Auswurf, sondern auch bei trockenem Husten (Reizhusten ohne Auswurf) werden;
  • Husten mit blutigem Auswurf (Hämoptysen); es handelt sich um ein absolutes Warnsymptom, dem höchste Bedeutung zugemessen werden muss, da Krebs Blutgefäße zerstört und daher Blutungen auslösen kann;
  • Schmerzen im Brustkorb; sie können atemabhängig, beim Husten, bei Belastung, in Ruhe oder auch nachts auftreten;
  • Fieber und Nachtschweiß; beide Symptome können im Rahmen einer Tumorbildung in der Lunge auftreten, und zwar bevorzugt dann, wenn sich im Rahmen der Atemwegsverengung durch den Tumor eine Lungenentzündung gebildet hat;
  • Atemnot tritt erst dann auf, wenn größere Anteile des Lungengewebes durch den Tumor bereits zerstört sind, wenn sich Flüssigkeit zwischen Rippen- und Lungenfell gebildet hat (ein sogenannter Pleuraerguss) oder wenn eine begleitende Lungenentzündung vorliegt, die die Lungenfunktion negativ beeinflusst;
  • ungewollte Gewichtsabnahme; Appetitlosigkeit erklärt nicht die Gewichtsabnahme, sondern ist ein weiteres Warnsymptom. Beide Phänomene können Hinweise auf ein bereits fortgeschrittenes Tumorleiden sein;
  • Antriebsarmut und zunehmende Kraftlosigkeit; im Zusammenhang mit den genannten Symptomen können auch diese Beschwerden bei einer bereits längere Zeit bestehenden Tumorerkrankung beobachtet werden

Zusammenfassend gibt es keine spezifischen, das heißt keine beweisenden klinischen Symptome für Lungenkrebs. Stattdessen werden lediglich Hinweise beobachtet, die uncharakteristisch sind und sich meistens schleichend entwickeln. Ein absolutes Warnsymptom stellt das Abhusten von Schleim und Sekret mit Blutbeimischungen dar, selbst dann, wenn es nur winzige Blutspuren sind, die einmalig oder inkonstant auftreten. Es muss sich dabei aber nicht zwingend um Lungenkrebs handeln; auch z.B. entzündliche Veränderungen wie die blutige (hämorrhagische) Bronchitis, Tuberkulose oder Pilzinfektionen können zu blutigem Auswurf führen. Blut im Auswurf muss jedoch immer ernst genommen werden; es sollte dann eine weiterführende Diagnostik veranlasst werden, die die Ursache für die Blutung klärt (Arzt aufsuchen!).

Alle anderen Symptome wie Gewichtsabnahme, Appetitlosigkeit, Schmerzen, zunehmende Antriebsarmut und selbst Schmerzen im Brustkorb und Atemnot sind erst recht uncharakteristische Zeichen, die auch bei einer Vielzahl anderer Erkrankungen beobachtet werden können. Entscheidend ist, auf Veränderungen des körperlichen Befindens zu achten und sich seinem eigenen Risikoprofil bewusst zu sein. Das bedeutet, sich darüber im Klaren zu sein, dass das Risiko für Lungenkrebs mit zunehmender Dauer und Intensität des Aktiv- und Passivrauchens drastisch ansteigt. Frauen sind dabei besonders gefährdet. Je früher mit dem Rauchen begonnen wird, umso höher ist dabei auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Lungenkrebs bildet.

Ein erhöhtes Risiko besteht auch im Falle des (beruflichen) Kontaktes mit Substanzen wie Asbest, Radon, Arsen, Chrom, Nickel, Cadmium, Beryllium, aromatischen Kohlenwasserstoffen und wahrscheinlich Dieselabgasen.

3. „Ich habe in den letzten Jahren kaum geraucht. Also kann der Krebs doch gar nichts mit dem Rauchen zu tun haben?“

Antwort:

Zigaretten sind nicht die Ursache für Lungenkrebs. Die Ursache ist nicht bekannt. Zigaretten enthalten aber über 4000 chemische Substanzen, wovon mindestens 8 nachweislich krebserregend sind. Hierzu gehören z.B. Cyanwasserstoff, Formaldehyd, Benzol, Cadmium und auch das radioaktive N-Polonium- 210, ein sog. alpha- Strahler, der die Schleimhaut der Atemwege radioaktiv bestrahlt.

In eine ähnliche Richtung geht die Feststellung, dass ein Verwandter der Familie sein ganzes Leben lang geraucht habe und über 90 Jahre alt wurde, ohne Lungenkrebs zu bekommen. Umgekehrt habe die Nachbarin nie geraucht, und gerade sie sei an Lungenkrebs gestorben.

Diese Hinweise verdeutlichen zum Einen, dass Rauchen nicht die Ursache für Lungenkrebs ist, die Entstehung aber maßgeblich fördern kann; welcher Mensch dafür anfällig ist und welcher nicht, lässt sich im Vorfeld nicht bestimmen. Das, was sich (statistisch) bestimmen lässt, ist das Risiko: Rauchende Männer haben ein ca. 30fach erhöhtes Risiko für Lungenkrebs, Frauen ein ca. 86fach erhöhtes Risiko. Je früher im Leben mit dem Rauchen begonnen wird, desto höher ist das Risiko, das sich ein Bronchialkarzinom bildet. Mit größter Wahrscheinlichkeit bekommen alle Menschen, die Zigaretten konsumieren, zu irgendeinem Zeitpunkt Lungenkrebs, die einen früher, die anderen später; es gibt aber auch einige Menschen, die diesen Zeitpunkt nicht erleben, da sie zuvor an anderen Krankheiten verstorben sind. Wie lange ein Mensch rauchen kann, ohne dass sich Lungenkrebs entwickelt, ist nicht bestimmbar; das ist individuell sehr unterschiedlich.

Zum anderen gibt es sehr viele unterschiedliche Krebsarten der Lunge und der Atemwege, wie in allen anderen Organen auch. Nicht bei allen besteht offensichtlich ein direkter Zusammenhang mit dem Rauchen. Krebsarten, die von den Oberflächendeckzellen der Atemwege (sog. Plattenepithel-karzinome) ausgehen, sind zu 99% mit dem Zigarettenrauchen assoziiert, andere (wie z.B. Alveolarzellkarzinome) hängen nicht oder deutlich weniger mit dem Nikotinkonsum zusammen.

4. „Wenn ich aufhöre zu rauchen, erholt sich die Lunge dann wieder?“

Antwort:

Ja, die Lunge kann sich wieder erholen, sofern keine dauerhaften Schäden des Lungengewebes entstanden sind. Das bedeutet, generell besitzt die Lunge eine hohe Potenz zur Regeneration. Sie nimmt allerdings lange Zeit in Anspruch; man geht von einer Erholungsphase aus, die mindestens 20 Jahren dauert. Dann entspricht das Lungenkrebsrisiko wieder dem Ausgangsrisiko der nicht- rauchenden Bevölkerung entsprechend des Alters und Geschlechts.

Die krebs- fördernden Faktoren des Tabaks verlieren also nur allmählich ihre Wirkung. Auch nach 9, 10 oder 15 Jahren rauchfreien Lebens kann ein Bronchialkarzinom auftreten, das maßgeblich auf den Zigarettenkonsum zurückzuführen ist; das Risiko sinkt aber mit zunehmender Dauer des Verzichtes auf Zigaretten. Die Ausgangsbedingungen für eine dann ggf. erforderliche Operation verbessern sich in der Zwischenzeit stetig, da sich die Lungenfunktion verbessert und die allgemeine körperliche Belastbarkeit zunimmt.

Dauerhafte (irreversible) Schäden der Lunge bleiben allerdings. Hierzu gehören insbesondere Blasenbildungen (sog. Bullae), bei denen die Architektur des Lungengewebes komplett zerstört ist, und Vernarbungen, weiterhin auch Veränderungen der Atemwege (fixierte Bronchiektasen) und ein dauerhafter Bluthochdruck im Lungenkreislauf. Diese Schäden dehnen sich mit fortgesetztem Zigarettenkonsum immer weiter aus. Das bedeutet umgekehrt, dass sich die Entwicklung dieser Gewebezerstörungen in der Regel durch den Verzicht auf Zigaretten zumindest verzögern, wenn nicht gar vollständig verhindern lässt.

5. „Welche Untersuchungen sind notwendig, wenn der Verdacht auf Lungenkrebs besteht?“

Antwort:

Die Diagnostik beginnt mit der Erhebung der Anamnese; in diesem Gespräch zwischen Arzt und Patient werden Fragen wie Atemnot bei körperlicher Belastung, Husten und Auswurf, Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit und zunehmende Abgeschlagenheit sowie weitere körperliche Beschwerden geklärt. Dann ist eine ausführliche körperliche Untersuchung erforderlich.

Grundlegend ist dann eine Röntgenaufnahme des Brustkorbes, die nicht selten der Anamnese und der klinischen Untersuchung vorausgeht, da – zum Beispiel vom Arbeitgeber – eine Routineaufnahme angefordert worden ist, in der sich dann eine Veränderung der Lunge darstellte. Röntgenkontrollen der Lunge sollen übrigens immer in 2 Ebenen – von vorne und seitlich – erfolgen, da mit der alleinigen Übersichtsaufnahme von vorne bis zu 30% der Rundherde in der Lunge nicht erkannt werden und nur in der seitlichen Aufnahme zu sehen sind.

Stellt sich ein „Schatten“ (ein sogenannter Rundherd) in der Lunge dar, der möglicherweise auf das Wachstum eines bösartigen Lungentumors hindeutet, empfiehlt sich eine Computertomographie des Brustkorbes (Thorax). Anhand der Aufnahmen lassen sich die Größe, die Ausdehnung, die Lage, die Dichte, die Begrenzung und weitere Lungen- und Lymphknotenveränderungen im Brustkorb beurteilen.
Generell ist mit einem Rundherd eine Veränderung zu erkennen, die sich als schwarz/ weiß darstellt. Diese Feststellung erscheint banal, bedeutet aber, dass keine feingewebliche Diagnose aus diesen Veränderungen zu stellen ist. Es gibt Hinweise, die den Verdacht auf ein Bronchialkarzinom wecken. Hierzu gehören z.B. unscharfe Begrenzung („Tumorfüßchen“), Abbruch von Bronchien und Gefäßen in dem Rundherd und im Vergleich zu den Voraufnahmen neu aufgetretene oder sich vergrößernde Veränderungen.

Dies sind wichtige Indizien, die unverzüglich eine sorgfältige weitere Diagnostik erfordern. Keinesfalls kann aber alleine aus den Röntgenaufnahmen – sei es aus konventionellen (Übersichts-) oder Computertomographieaufnahmen – gesagt werden, dass es sich um Lungenkrebs handelt. Hierzu ist die Entnahme von Gewebeproben notwendig.

Liegen die Veränderungen zentral, das heißt im Bereich der Lungenwurzel nahe der Aufzweigungen der großen Atemwege, können sie in der Regel durch eine Atemwegsspiegelung (Bronchoskopie) erreicht werden. Hierzu erhält der Patient ein Medikament zum Schlafen, das kurzzeitig wirkt. Die Belastung ist sehr gering. Die Untersuchungsdauer liegt zwischen 5 und 20 Minuten. Dabei wird das gesamte Atemwegssystem beurteilt. Es handelt sich um ein Röhrensystem, in das man nicht beliebig weit sehen kann, da sich die Atemwege immer weiter aufzweigen und in ihrem Durchmesser ständig kleiner werden. Das Lungengewebe selbst lässt sich mit dieser Untersuchungsmethode nicht ansehen.

Die Atemwegsspiegelung lässt sich mit einer Ultraschalldiagnostik kombinieren; es handelt sich dann um die sog. endobronchiale Sonographie (EBUS), mit der Gewebestrukturen in Nachbarschaft der Bronchien geschallt und zum Beispiel vergrößerte Lymphknoten punktiert werden können.

Liegt der Rundherd in den Randbereichen der Lunge (peripher), lässt er sich im Rahmen der Atemwegsspiegelung nicht erreichen. Gelegentlich wird eine Punktion des Herdes durch die Brustwand empfohlen. Wir lehnen diese Methode ab, da die Aussagekraft relativ gering ist, besonders aber, weil dann der Tumor eröffnet ist und Zellen als Absiedlungen (Metastasen) verschleppt werden können. Sie finden sich dann als Metastasen in der Brustwand im Stichkanal oder als Fernmetastasen in anderen Organen. Diese Metastasen treten selten auf, unseres Ermessens ist aber jedes Risiko einer Metastasenbildung durch medizinische Maßnahmen zwingend zu vermeiden. Daher empfehlen wir in dieser Situation, den Rundherd minimal- invasiv (mittels „Schlüssellochtechnik“) zu entfernen, während der Operation eine feingewebliche Untersuchung zu veranlassen (die sogenannte Schnellschnittdiagnostik) und die weiteren Maßnahmen von deren Ergebnis abhängig zu machen.

Vor jeder Operation und im Rahmen jeder Diagnostik von Lungenherden unklarer Herkunft ist aber noch eine Untersuchung der Herz- und Lungenfunktion erforderlich. Hierzu gibt es ausgereifte Techniken, die ohne große Belastung durchzuführen sind.

Wurde ein Bronchialkarzinom nachgewiesen, sind weitere Untersuchungen erforderlich um auszuschließen, dass sich bereits Fernmetastasen gebildet haben. Da die bösartigen Tumoren der Lunge besonders in das Gehirn, die Leber, die Nebennieren und in das Skelettsystem streuen, müssen diese Bereiche gezielt untersucht werden. Im Einzelnen sind das für das Gehirn die Computer- oder alternativ die Kernspintomographie, für die Leber und die Nebennieren die Ultraschalluntersuchung (Sonographie) und für das Skelettsystem die sogenannte Skelett- Szintigraphie, ein nuklearmedizinisches Untersuchungsverfahren.

Das neueste Untersuchungsverfahren ist die sogenannte Positronen- Emissions- Tomographie (kurz: PET-) Diagnostik. Es handelt sich dabei um eine nuklearmedizinische Untersuchung, der unterschiedliche Stoffwechselaktivitäten von Zellveränderungen wie zum Beispiel Tumorzellen im Vergleich zu den normalen Zellen zugrunde liegen. Diese Zonen erhöhter Stoffwechselaktivitäten können gemessen und bildlich dargestellt werden, wobei die PET- Diagnostik in der Regel mit einer Computertomographie (CT) kombiniert wird. Da der gesamte Körper untersucht wird, können zum Beispiel Metastasen auch außerhalb der Lunge in einem Untersuchungsgang festgestellt werden, ohne dass die o.g. zahlreichen diagnostischen Verfahren erforderlich sind.

Wird neben dem Rundherd ein Rippenfellerguss nachgewiesen, muss die Ergussflüssigkeit untersucht werden. Sie kann in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) punktiert werden, oder es kann eine Spiegelung des Brustkorbes in Narkose (Thorakoskopie) durchgeführt werden. Die Punktion hat den Vorteil der geringeren Belastung, den Nachteil der im Vergleich zur Spiegelung unsicheren Aussagekraft. Generell geht es im Falle eines Ergusses mit Nachweis bösartiger Zellen darum, Absiedlungen (Metastasen) auf dem Rippenfell auszuschließen. Wenn nämlich Metastasen nachweisbar sind, liegt ein fortgeschrittenes Tumorstadium vor, in der eine Lungenoperation zur Entfernung des Tumors in der Regel keinen Sinn macht, da die Prognose nicht verbessert wird. In der Situation verbietet sich daher ein chirurgischer Eingriff.

6. „Kann bei mir eine Operation durchgeführt werden? Macht sie überhaupt Sinn?“

Antwort:

Die Frage nach dem Sinn einer Operation im Falle von bösartigen Tumoren der Lunge – die sogenannte Operabilität – ist eine der zentralen Fragen in der Lungenheilkunde (Pneumologie), Onkologie und Thoraxchirurgie. Diese Frage sollten die Spezialisten dieser Fachdisziplinen in einer gemeinsamen Konferenz für jeden Patienten klären.

Prinzipiell gründet sich die Operabilität und damit der Sinn einer Lungenoperation auf mehrere Faktoren:

1. Technische Operabilität

Die technische Operabilität beschreibt die Möglichkeit, den Tumor sicher im gesunden Gewebe radikal zu entfernen. Es macht zum Beispiel überhaupt keinen Sinn, einen Teil des Tumorgewebes zu belassen; dann ist die Operation von vornherein zwecklos (mit extrem wenigen Ausnahmen).

Technisch besteht zum Beispiel dann keine Möglichkeit zur Entfernung des Tumors, wenn der Krebs weit in den Herzvorhof oder in eine Herzkammer eingebrochen ist. Gleiches gilt, wenn der Tumor die gegenseitige Lungenarterie erreicht hat. Da es für jeden Lungenflügel nur 1 Hauptarterie gibt und die Lungenflügel nicht mehr durchblutet werden, wenn diese Arterien entfernt werden, wäre dies eine Situation, die nicht mit dem Leben vereinbar ist.

2. Funktionelle Operabilität

Die funktionelle Operabilität beschreibt die Möglichkeit, wie viel Lungengewebe entfernt werden kann, ohne dass der Patient nach der Operation zu wenig Sauerstoff bekommt. Es macht natürlich gar keinen Sinn, wenn ein Teil der Lunge entfernt wird und der Patient nach der Operation unter schwerster Atemnot leidet oder auf Dauer beatmet werden muss.

3. Allgemeine Operabilität

Die allgemeine Operabilität beschreibt, in wie weit der seelische und körperliche Zustand des Patienten eine Operation erlaubt. Die seelische Verfassung muss dem Patienten eine Mitarbeit nach der Operation ermöglichen; ca. 90% des Verlaufs nach einer Lungenoperation wird dabei durch die Mitarbeit (Compliance) des Patienten bestimmt, da Atemübungen, Abhusten, Krankengymnastik, also aktive Übungen des Patienten zwingend erforderlich sind.

Die allgemeine körperliche Operabilität wird von zahlreichen Faktoren bestimmt; hierzu gehören zum Beispiel die Funktion der inneren Organe, insbesondere der Herzfunktion, das Gewicht (BMI), die Mobilität und der Status der Muskulatur.

4. Onkologische Operabilität

Die onkologische Operabilität beschreibt den Sinn, den eine Operation im Hinblick auf das Stadium der Tumorerkrankung macht. Hierzu gibt es genaue Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie sowie der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie. Man weiß, dass eine Operation im fortgeschrittenen Stadium in der Regel keine Verbesserung der Prognose bzw. der Überlebenszeit bewirken kann, insbesondere dann nicht, wenn bereits Metastasen (Absiedlungen) nachgewiesen wurden. Wenn aber die Überlebenszeit nicht deutlich verlängert werden kann, darf man den Patienten nicht mit einer schweren und auch komplikationsträchtigen Operation belasten. Dann bestünde nämlich nicht nur kein Vorteil der Operation, sondern im Gegenteil das Risiko, an den Folgen der Operation früher zu versterben als ohne den Eingriff.

Ausnahmen bestehen zum Beispiel dann, wenn durch den Tumor eine akute Lebensgefahr ausgeht. Dies ist beispielsweise bei einer lebensgefährlichen Blutung der Fall. Eine Operation kann auch überlegt werden, wenn die Lebensqualität durch nicht behandelbare Schmerzen oder durch entzündliche Komplikationen infolge des Tumors maßgeblich negativ beeinflusst wird.

7. „Wie sind meine Chancen, wenn ich operiert wurde?“

Antwort:

Hinter dieser Frage verbergen sich zwei Unsicherheiten und Ängste, die die Patientinnen und Patienten mit am Meisten belasten:

Einerseits wird hier nach dem Risiko der Operation gefragt, besonders auch nach dem Risiko, während der Operation oder an den Operationsfolgen zu versterben. Gelegentlich ist auch die Angst am größten, aus der Narkose nicht mehr aufzuwachen.

Das Risiko, während der Operation zu versterben, ist individuell sehr unterschiedlich und hängt im Wesentlichen vom Ausmaß der erforderlichen Operation, der Ausdehnung der Erkrankung, dem Alter und den Begleiterkrankungen des Patienten ab. Generell ist das Risiko sehr gering, aber nicht 0%. Die Klinik, die behauptet, kein Mensch würde während der Operation in ihrem Haus versterben, ist u.E. nicht vertrauenswürdig oder führt nur kleinere Lungenoperationen durch; damit wäre das chirurgische Erfahrungspotential aber gering. In unserer eigenen Klinik beträgt die Häufigkeit der Todesfälle während der Operation etwa 1: 2700 und ist damit im internationalen Vergleich sehr gering. Todesfälle kommen ausschließlich bei den ausgedehntesten Operationen vor, bei denen nicht nur ein kompletter Lungenflügel, sondern auch zum Beispiel Anteile des Herzvorhofes entfernt werden müssen, oder bei Unfallpatienten mit schwersten kombinierten inneren Verletzungen.

Todesfälle, bedingt durch die Narkose, gibt es; wir selbst haben aber in den letzten 25 Jahren keine einzige dieser Situationen erlebt.

Höher ist das Risiko, im Rahmen von Komplikationen nach der Operation zu versterben. Auch dieses Risiko ist individuell sehr unterschiedlich und wird besonders bestimmt durch einen langjährigen Zigarettenkonsum, insbesondere dann, wenn bis unmittelbar vor der Operation geraucht wird. Auch Begleiterkrankungen spielen eine wesentliche Rolle. Hierzu zählen zum Beispiel die koronare Herzerkrankung (KHK, Durchblutungsstörung der Herzkranzarterien, bestimmte Herzrhythmusstörungen) und Vorerkrankungen der Lunge wie COPD etc..

Generell ist die häufigste Komplikation nach einer Lungenoperation die Lungenentzündung. Die Sekret- und Schleimproduktion in den Atemwegen ist postoperativ nach langjährigem Zigarettenkonsum enorm. Wenn das bakterien- beladene Sekret nicht ausreichend abgehustet wird, verlegt es die Atemwege, die dahinter liegenden Lungenabschnitte werden nicht mehr richtig belüftet und entzünden sich innerhalb relativ kurzer Zeit. Daher ist die Mitarbeit der Patientin oder des Patienten nach der Operation entscheidend: Niemand kann für sie husten oder richtig durchatmen. Die Behandlung nach der Operation richtet sich in der Hauptsache darauf aus, diese entzündlichen Komplikationen zu vermeiden. Die Chancen bei guter Mitarbeit sind ausgezeichnet, die Operationsfolgen in kurzer Zeit unbeschadet zu überstehen.

Die Frage nach den Chancen bezieht sich auch auf die Prognose der Erkrankung nach der Operation, das heißt, wie lange währt das Leben nach der Operation, wenn der Tumor entfernt wurde.

Diese Frage kann nach derzeitigem Wissen kein Mensch beantworten. Es ist eindeutig und unbestritten, dass durch die radikale chirurgische Entfernung des Tumors die best- möglichste Prognose erreicht wird. Es wurden in den letzten Jahren hunderte von sogenannten Prognosefaktoren untersucht, das heißt es wurde nach Hinweisen – zum Beispiel Tumormarker, Lymphknotenbefall, Tumorausdehnung etc. – gesucht, die genauer sagen lassen, wie sich die Tumorerkrankung entwickelt. Statistisch gesehen bieten mehrere Faktoren zusammen prognostische Anhaltspunkte, mehr aber auch nicht. Der Krankheitsverlauf ist individuell so unterschiedlich, dass sich u.E. zufolge derzeitig die Frage nach der Überlebenszeit nicht beantworten lässt.

Aus umfangreichen statistischen Untersuchungen wird ersichtlich, dass es sich im Falle eines bösartigen Tumors um eine chronische Erkrankung handelt. Von einer echten Heilung kann daher nicht gesprochen werden; geheilt zu werden würde in unseren Augen ein zu großes Versprechen bedeuten. Das heißt aber nicht, dass die Erkrankung absehbar zwingend voranschreitet; sie kann sich Jahre oder auch Jahrzehnte nicht mehr bemerkbar machen.

7. „Wie lange dauert die Operation und wie lange muss ich im Krankenhaus bleiben?“

Antwort:

Die Operationsdauer hängt von der Ausdehnung des Tumors und seiner Lokalisation ab. Prinzipiell ist nicht die schnellste Operation die beste; stattdessen geht es darum, sehr sorgfältig und mit viel Ruhe zu operieren und alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um gesundes Lungengewebe zu erhalten, denn hiervon hängt die Lebensqualität nach der Operation ab. Zum Teil sind präparatorisch aufwendige Verfahren erforderlich, die Zeit kosten.

Die Dauer des Aufenthaltes in der Klinik wird durch den Verlauf nach der Operation bestimmt. In den letzten Jahren hat sich für viele Bereiche der Chirurgie die sogenannte „Fast track- Chirurgie“ etabliert. Hierunter wird ein extrem kurzer Aufenthalt nach der Operation verstanden; der Patient wird nach wenigen Tagen entlassen.

Wir lehnen diese Fast- track- Chirurgie für die Lungeneingriffe aus mehreren Gründen ab. Sie dient unserer Meinung nach lediglich dazu, Kosten zu sparen. Nach Einführung des neuen Abrechnungssystems (DRG) bekommen die Kliniken nämlich pro Patient einen Betrag, unabhängig davon, wie lange die stationäre Behandlung dauert. Je kürzer der Aufenthalt, desto geringer sind die Kosten, die ein Patient verursacht, so dass die Klinik umso mehr Einnahmen aufweist, je kürzer die Verweildauer ist.

In unseren Augen kann und darf es aber nicht sein, dass das Einsparpotential die oberste Maxime der Behandlung ist. Unserer Erfahrung zufolge fühlen sich die meisten sehr rasch entlassenen Patienten eher vor die Tür gesetzt als gut betreut; sie sind einfach noch nicht fit genug, um wenige Tage nach einer größeren Operation zu Hause wieder zurechtkommen. Diese Einschätzung wird auch von zahlreichen Rehabilitationskliniken geteilt; die Anschlussheilbehandlung kann nach vorzeitiger Verlegung häufig noch nicht stattfinden, da die Erholungsphase nach der Operation in der Klinik zu kurz war. Komplikationen wie Lungenentzündungen und Wundheilungsstörungen häufen sich.

Umgekehrt verlängern wir die Dauer des stationären Aufenthaltes auch nicht künstlich. Die durchschnittliche Verweildauer liegt in unserer Klinik für kleinere Lungeneingriffe bei ca. 4-6 Tagen (2014 im Mittel: 4,8 Tage), für größere Operationen zwischen 7-10 Tagen (2015 im Mittel: 8,7 Tage) und für die ausgedehntesten Eingriffe bei etwa 10-12 Tagen. Die Entlassung erfolgt jeweils individuell so früh wie möglich, das bedeutet, sobald die medizinischen Befunde nach dem Eingriff in Ordnung sind und die Patienten/ der Patient das Gefühl hat, er kommt außerhalb der Klinik gut zurecht.

8. „Was habe ich für Einschränkungen durch die Operation?Wie wird meine Lebensqualität sein?“

Antwort:

Die Erholungsphase nach einer größeren Lungenoperation zur Entfernung eines Bronchialkarzinoms schwankt individuell stark; sie liegt im Durchschnitt bei etwa 6-8 Wochen. Wann die Arbeitsfähigkeit wiederhergestellt ist, hängt von dem Ausmaß der körperlichen Belastung am Arbeitsplatz ab. Dies muss im Einzelfall – am besten in Zusammenarbeit mit dem Betriebsarzt – entschieden werden.

Ausschlaggebend für die Lebensqualität auf lange Sicht nach der Operation ist einerseits die seelische Verarbeitung dessen, was mit der Erkrankung und Therapie zusammenhängt, andererseits die körperliche Belastbarkeit, die nach einer Lungenoperation im Wesentlichen von der Lungenfunktion abhängt. Das bedeutet, je mehr Lungengewebe entfernt werden muss, desto eingeschränkter ist die körperliche Belastbarkeit. Muss zum Beispiel eine Lungenhälfte komplett entfernt werden, können schwere körperliche Arbeiten oder Tätigkeiten (zum Beispiel im Handwerk) nicht mehr ausgeführt werden. Da die gesunde Lungenhälfte einen Teil der fehlenden Lungenfunktion kompensieren kann, kann sich die Lungenfunktion in einem Zeitraum von bis zu 8 Monaten nach dem Eingriff verbessern. Danach ist der Zustand in aller Regel fixiert; auch intensives Atemtraining hilft dann nur noch wenig, die Funktion zu verbessern. Insofern ist es so wichtig, die Lungenfunktion von Anfang an zu trainieren, schädliche Faktoren strikt zu vermeiden (besonders aktives und passives Rauchen, inhalative Schadstoffe am Arbeitsplatz) und operations- technisch so viel gesundes Lungengewebe wie möglich zu erhalten.

Zur Bewältigung der seelischen Belastungen kann es zum Beispiel Unterstützung durch Psychoonkologen, in Kirchengemeinden oder auch Selbsthilfegruppen geben.

9. „Steht mir eine Reha zu?“

Antwort:

Die Krankenversicherungsträger stehen prinzipiell derzeitig jedem Patienten, der an der Lunge operiert wurde, eine Anschlussheilbehandlung (Rehabilitation) zu. Sie dauert in der Regel 3 Wochen und kann ggf. auf 4 Wochen verlängert werden.

Die Anschlussheilbehandlung bedeutet ein Angebot, das nicht zwingend angenommen werden muss.

10. „Wie geht es nach der Operation weiter?“

Antwort:

Ob eine zusätzliche (adjuvante) Behandlung nach Entfernung eines Bronchialkarzinoms erforderlich ist oder nicht, hängt einerseits vom Stadium der Erkrankung, andererseits auch von der Art des Karzinoms und vom Tumorwachstum innerhalb des Brustkorbesab. Eine zusätzliche Behandlung bedeutet, dass entweder eine Chemo-, Immun- oder Strahlentherapie oder eine Kombination aus den drei Verfahren durchgeführt wird.

Natürlich ist auch diese Behandlung keine Pflicht; sie wird empfohlen, und die betroffenen Patientinnen und Patienten sind gut beraten, wenn sie sich zunächst von einem entsprechenden Spezialisten (einem Onkologen und/ oder Strahlentherapeuten) umfassend über die Vor- und Nachteile der Therapie informieren lassen.

Diese Spezialisten müssen nicht selbst gesucht werden; es gehört u.E. zu den Aufgaben der Thoraxchirurgie dazu, alle notwendigen Kontakte herzustellen und entsprechende Vorstellungstermine zu vereinbaren.

Ist keine zusätzliche Behandlung erforderlich, empfiehlt sich eine regelmäßige und u.E. lebenslange Tumornachsorge. In diesem Rahmen werden regelmäßige Kontrollen mit klinischen Untersuchungen, Blutuntersuchungen, Röntgen- Aufnahmen und Atemwegsspiegelungen durchgeführt. In letzter Zeit wurde der Wert der Atemwegsspiegelungen infrage gestellt; aufgrund eigener guter Erfahrungen bieten wir sie aber auch in Zukunft weiter an.

Weitere Informationen finden sich in unserem Ratgeber: „Operation, Chemotherapie, Bestrahlung – und was dann? Zurück ins Leben“, erhältlich im Buchhandel (ISBN: 978-3-00-045865-1) oder im thoraxchirurgischen Sekretariat (Tel. 04221 – 9942 63 ).

Die nachfolgenden Hinweise und Ratschläge entsprechen den persönlichen Erfahrungen des Autors. Sie sollen nur dazu dienen, in einer schwierigen – möglicherweise der schwierigsten – Lebenssituation ein bisschen zu helfen.

4.1 Was ist wichtig?

Nicht nur der medizinische Laie, sondern auch der zuweisende Arzt steht vor dem Problem, den richtigen Spezialisten in der richtigen Klinik zu finden. Als Laie erhält man Tipps von Freunden und Bekannten, Meinungen, und Hinweise, die wertvoll sein können, im Zweifelsfall aber immer nur Einzelerfahrungen bedeuten. Diese Erfahrungen können durchaus hilfreich, aber natürlich auch sehr unterschiedlich sein. Die Schwierigkeit, eine passende chirurgische Klinik zu finden, ist für den Einzelnen ein fast unlösbares Problem. Es muss nämlich Alles stimmen, zum Beispiel

  • die Logistik der Aufnahme in der Klinik: Wie rasch kann die Aufnahme erfolgen? Wie umständlich ist das Aufnahmeverfahren? Wie rasch kann die Aufnahme geklärt werden?
  • der erste Kontakt zur Klinik: Wie freundlich und hilfsbereit ist die Sekretärin? Ist sie leicht erreichbar? Sind Vorgespräche möglich?
  • der erste Kontakt zum Arzt: Ist ein Gespräch schnell und unkompliziert möglich? Ist der Arzt einfühlsam und lässt sich ausreichend Zeit? Kann er alle Fragen kompetent beantworten? Werden Angehörige auf Wunsch mit einbezogen? Lässt der Chirurg Zweitmeinungen oder anderweitige Beratungsgespräche zu?
  • die Aufnahme in der Abteilung: Sind die Schwestern und Pfleger freundlich und hilfsbereit? Ist die Atmosphäre auf der Station angenehm? Sind die Zimmer und sanitären Anlagen sauber? Schmeckt das Essen? Vermittelt das Pflegepersonal Kompetenz?
  • die Vorbereitung auf die Operation: Sind die vor der Operation notwendigen Untersuchungen gut geplant? Werden sie ohne Zeitverzögerung und kompetent durchgeführt?
  • die Durchführung der Narkose und Operation: Erfolgen die Maßnahmen kompetent, komplikationsfrei und ohne Zeitverzögerung? Berücksichtigt die Schnittführung kosmetische Aspekte? Wird der Hautverschluss einwandfrei durchgeführt?
  • die Phase nach der Operation auf der Intensivstation: Ist der Intensivaufenthalt erträglich? Ist das Pflegepersonal hilfsbereit und verständnisvoll? Werden die Schmerzen ausreichend behandelt? Werden ggf. Komplikationen rechtzeitig erkannt? Werden Angehörige ausreichend informiert?
  • nach der Operation auf Normalstation: Erfolgt eine tägliche Visite mit ausreichenden Informationen über die Ergebnisse der Operation und den Verlauf? Besteht eine ausreichende Unterstützung durch das Pflegepersonal sowie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der krankenphysikalischen Therapie? Werden Informationen für die längerfristige Behandlung vermittelt? Werden Termine zur Weiterbehandlung organisiert? Erfolgt eine vorzeitige oder eine rechtzeitige Entlassung?

Dies sind nur einzelne Faktoren, die zu einer positiven oder negativen Bewertung einer Klinik beitragen. Aufgrund der subjektiven und individuell sehr unterschiedlichen Bewertung ist es kein Wunder, dass der eine Patient eher positive, der andere eher negative Erfahrungen gemacht hat.

4.2 Was ist entscheidend?

Die entscheidende Frage ist u.E.: Was ist wirklich wichtig und was ist zwar auch wichtig, aber nicht so entscheidend?

Ohne Zweifel ist es entscheidend, dass die Operation das gewünschte Ergebnis bringt und sämtliche ärztliche Maßnahmen komplikationsfrei verlaufen. Alles andere ist – um es noch einmal zu betonen – auch relevant, letztlich aber sekundär. Wir also soll beurteilt werden, ob eine Operation optimal durchgeführt wird?

Genau diese Frage kann (leider) von einem Laien – wenn überhaupt – nur indirekt beantwortet werden. Der Patient hat nämlich keine Chance zu erkennen, ob eine Operation meisterlich oder mangelhaft durchgeführt wird, er sieht letztlich lediglich nur die Hautnaht.

In jüngster Vergangenheit ist von den Medien versucht worden, das Problem der richtigen Arztwahl zu klären. Hierzu wurden an die Ärzte Fragebögen versandt und Listen mit Rangfolgen erstellt, welcher Arzt denn nun am besten zur Therapie geeignet ist, nachzulesen im Internet, in Boulevard- Blättern oder in Nachrichtenmagazinen. U.E. sind auch diese Listen nur wenig hilfreich, da sie auf Angaben der einzelnen Kliniken beruhen, die allenfalls teilweise nachgeprüft werden können.

Die Frage nach der Kompetenz der chirurgischen Behandlung lässt sich nur dann sicher beantworten, wenn von jeder Fachabteilung einer Klinik eine detaillierte Komplikations- und Todesstatistik in Zusammenhang mit einer Gesamtstatistik der Operationen erstellt und publiziert werden muss. Von einer entsprechenden gesetzlichen Verpflichtung sind wir in Deutschland aus uns völlig unverständlichen Gründen weit entfernt. Solange dies nicht gesetzlich geregelt ist, gibt es keine Sicherheit für die Auswahl der Klinik.

Nachfolgend dennoch einige Hinweise, die zu beachten es sich u.E. lohnt:

  • 1. Der erste wichtige Punkt ist die Logistik der Klinik: Wie rasch kann ein Gesprächstermin vergeben werden? Es macht keinen Sinn, einen Patienten mit Bronchialkarzinom 2 Wochen warten zu lassen; er befindet sich in einer seelischen Ausnahmesituation, die Ungewissheit über das, was passieren wird, ist immens, gleichzeitig läuft ihm subjektiv die Zeit weg.
  • 2. Entscheidend ist dann das erste Informationsgespräch: Nimmt sich der Arzt ausreichend Zeit? Sind die Erläuterungen verständlich? Werden Zweitmeinungen zugelassen? Wer operiert? Fragen nach der Anzahl der Eingriffe, die der Chirurg in der speziellen Situation des Patienten durchgeführt hat, werden zwar immer wieder empfohlen, sind aber leider sinnlos. Nach 15 oder 20 Jahren Berufserfahrung kann man davon ausgehen, dass eine ausreichende Erfahrung beim Chefarzt vorliegt. Die entscheidende Frage ist vielmehr, welcher Arzt die Operation durchführt. Ist es ein Oberarzt, ein Assistenzarzt unter Aufsicht des Oberarztes oder der Chefarzt, der (nachvollziehbar) operiert? Die Komplikationsrate steigt auf Assistenzarztebene deutlich an. Stutzig werden sollte man generell, wenn die Leistungen der Klinik überschwänglich gelobt werden. Instinktiv ist auch gut zwischen echter Anteilnahme, Routinegespräch oder Arroganz zu unterscheiden. Arroganz ist in aller Regel ein Zeichen der Unsicherheit; hier ist man falsch. Superlative herauszukehren bedeutet, dass man sie nötig hat.
  • 3. Es lohnt sich zu fragen, wie viele Operationen jeweils bei dem betroffenen Patienten geplant sind. Hintergrund zu dieser Frage ist nachfolgende Praxis einiger Kliniken: In selbst- lobenden Rundschreiben sowie in den entsprechenden Internetpräsentationen wird stolz die Zahl der Operationen pro Jahr verkündet mit dem Hinweis, z.B. zweitgrößte oder drittgrößte Klinik in Deutschland zu sein. Die Zahl der Patienten wird hingegen nicht erwähnt. Tatsächlich ist diese Zahl in der Regel deutlich geringer als die Zahl der Operationen. Aus eigener Erfahrung anhand von Datenmaterialien aus Norddeutschland wissen wir, dass sie beträchtlich unter der Zahl der Eingriffe liegen kann. Die Zahl der Patienten wird absichtlich nicht genannt: Es würde nämlich sonst deutlich werden, dass jeder Patient durchschnittlich 3-5mal operiert wurde. Dies ist nicht nur ein möglicher Hinweis auf die Rate an Komplikationen; da die Operationen vergütet werden, steigert dies den Erlös. Dem Patienten – und übrigens auch den zuweisenden Ärzten – wird das Vorgehen als „akzelerierte Therapie“ verkauft. Hierunter wird ein stufenweises chirurgisches Vorgehen verstanden, das sich am Prinzip der geringsten erforderlichen Belastung orientieren soll. Tatsächlich handelt es sich aber unserer Erfahrung zufolge nicht selten um absehbar überflüssige Operationen.

Unabhängig davon sind gelegentlich diagnostische Eingriffe erforderlich, um den Sinn einer größeren Lungenoperation nachzuweisen. Dies muss aber von dem behandelnden Chirurgen so plausibel gemacht werden, dass es auch der Laie versteht.

4.3 Warnhinweise

Besondere Vorsicht bei der Auswahl der Spezialklinik ist geboten, wenn:

  • die Thoraxchirurgie in einer allgemeinchirurgischen Klinik zusätzlich – quasi nebenher – angeboten wird und
  • von vornherein der Eindruck entsteht, dass es sich um eine Massenabfertigung handelt.

Thoraxchirurgie innerhalb einer Klinik für Allgemeinchirurgie anzubieten, bedeutet ausnahmslos im Vergleich zu einer spezialisierten Klinik eine deutlich geringere Erfahrung auf diesem Gebiet. Bereits die Operationszahlen weichen beträchtlich voneinander ab: Während eine Fachklinik mindestens 500 Patienten pro Jahr betreut, werden in einer gemeinsamen chirurgischen Abteilung in der Regel nur ca. 50 bis maximal 100 Patienten pro Jahr operiert. Die Fachbereiche der Allgemein- und Thoraxchirurgie unterliegen derart raschen Entwicklungen und sind jeder für sich genommen so groß, dass aktuelle Entwicklungen niemals adäquat umgesetzt werden können; dies betrifft nicht nur die operativen Techniken, sondern auch die Auswahl (Indikationsstellung) zur Operation, die intensivmedizinische und krankenphysikalische Betreuung, die Vor- und Nachbehandlung und die Therapie von Komplikationen. Eine „halbe“ Thoraxchirurgie, in der lediglich Grundzüge der operativen Techniken bekannt sind, nützt gar nichts, sondern ist im Zweifelsfall fatal. Komplikationen während der Operation werden dann entweder nicht beherrscht oder es wird Lungengewebe entfernt, das mit der entsprechenden Erfahrung hätte geschont werden können. Lebensentscheidend ist auch ein technisches und onkologisches Halbwissen, das wir leider regelmäßig beobachten: Es werden mit moderner Schlüssellochtechnik Tumoren zu diagnostischen Zwecken inkomplett entfernt, erforderliche radikale Operationen werden – wenn überhaupt – nur zeitverzögert durchgeführt. Bereits die inkomplette Tumorentfernung ist fatal, denn das Tumorgewebe wird durchtrennt und eröffnet, so dass es zu einer Tumorzellaussaat kommen kann und sich die Prognose entscheidend verschlechtert.

Eine „Massenabfertigung“ kann niemals eine gute Versorgung bedeuten; Seele und Körper sind untrennbar verbunden und bilden eine Einheit, so dass es kein Wunder ist, dass es leichter zu Komplikationen kommt, wenn die seelische Situation nicht ausreichend berücksichtigt wird. Dies kann auch nicht durch eine psychoonkologische Mitbetreuung – die ohne Zweifel von großer Bedeutung ist – kompensiert werden, zumal diese Gespräche nicht jedermanns Sache sind.

5.1 Physiotherapie – was ist das?

Physiotherapie bedeutet eine besondere Form der medizinischen äußerlichen Behandlung mit dem Ziel, Beschwerden und Einschränkungen von Aktivität und Bewegungsfunktionen des Patienten zu lindern. Sie umfasst nicht nur Krankengymnastik, eine Sonderform der Bewegungstherapie, bei der besonders Schäden am Bewegungsapparat und Haltungsschäden behandelt werden, sondern nutzt manuelle Fähigkeiten des Therapeuten zum Beispiel zur Verringerung von Schmerzen, ggf. ergänzt durch natürliche physikalische Anwendungen wie zum Beispiel Wärme, Kälte oder Druck, und sie vermittelt darüber hinaus Verständnis für die Funktionen des Körpers.

5.2 Physiotherapie nach Operationen im Brustkorb

Die Physiotherapie in der Thoraxchirurgie richtet sich speziell auf die Unterstützung der Lungenfunktion nach Operationen im Brustkorb aus. Sie beginnt zum Zeitpunkt der Aufnahme im Krankenhaus, setzt sich auf der Intensivstation fort und wird über den gesamten stationären Aufenthalt als Einzel- und Gruppentherapie durchgeführt.

Das Atmen ist in der Regel ein unbewusster Vorgang. Dass es die Lunge gibt, wird erst nach besonderen Anstrengungen, bei einer Erkrankung oder nach einer Operation deutlich. Nur durch gezielte Übungen aus der Atemtherapie kann die Lungenfunktion sinnvoll gefördert werden: Körperliche Belastung, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen des Brustkorbes führen nämlich zu einer flachen, schnellen Atmung, während gerade das langsame, tiefe Durchatmen entscheidend ist, um Lungenentzündungen zu verhindern und um die Heilung innerhalb des Brustkorbes nach einer Lungenoperation oder -erkrankung zu fördern.

Die physiotherapeutische Behandlung wird individuell auf die Situation des Patienten ausgerichtet und umfasst auch Anleitungen zum Training mit Hilfe von Atemhilfsgeräten. Durch diese Therapie im Krankenhaus wird eine nachfolgende Rehabilitation („Reha“ oder Anschlussheilbehandlung) vorbereitet, die jeder Patient nach Lungenoperationen auf Wunsch durchführen kann. Alternativ kann die Behandlung ambulant, wahlweise auch in unserem Hause, fortgesetzt werden.

5.3 Schwerpunkte der physiotherapeutischen Behandlung

Atemtherapeutische Einzeltherapie mit spezifischer Atemlenkung, Rumpf-mobilisation und sanften Dehnungen.

Entspannungstechniken aus dem Bereich der Atemtherapie und Massage.

Anleitung von Atemhilfsgeräten zur Unterstützung der Lungenfunktion.

Qigong in der Atemtherapiegruppe mit einem Gastarzt aus China als Anleiter. Direkt über-setzt bedeutet Qigong: „ Übung mit der Energie.“ In dieser Bewegungsform wird die Atmung, Konzentration, Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer geschult.

5.4 Anleitung zum selbstständigen Atemtraining

Durch spezielle Übungen aus der Atemtherapie wird die Atemwahrnehmung geschult, die Rumpfbeweglichkeit verbessert und somit die Sauerstoffaufnahme gefördert.

Richtiges Atmen während der Übungsfolge

  • Atmen Sie während der Übungen gleichmäßig und ruhig
  • Atmen Sie langsam aus
  • Atmen Sie durch die Nase ein und durch den leicht geöffneten Mund aus
  • Das Ausatmen sollte länger dauern als das Einatmen

Zu den Atemübungen

  • Wiederholen Sie die Übungen mehrmals täglich
  • Gehen Sie während der Übung im Geist mit der Luft mit, folgen Sie dem Weg in der Lunge
  • Wird Ihnen während der Übungen unwohl, hören Sie auf und versuchen Sie es später noch einmal

Bauchatmung (Abb. 1)
Bei der Einatmung hebt sich der Bauch und senkt sich wieder bei der Ausatmung. Die Beine sollten dabei gebeugt sein. Die Hände dürfen locker auf dem Bauch liegen.
Wichtig: den Bauch nicht herausdrücken.

Flankenatmung (Abb. 2)
Die Rippen dehnen sich bei der Einatmung zur Seite aus. Dadurch werden die tiefergelegenen Lungenabschnitte belüftet. Die Beine möglichst angebeugt lassen, die Hände seitwärts an die Rippen legen.

Brustatmung (Abb. 3)
Bei der Einatmung hebt sich die Brust und senkt sich wieder bei der Ausatmung. Die Beine können Sie anbeugen oder auch gestreckt lassen. Die Hände liegen locker auf der Brust.

Rumpfdehnung (Abb. 4)
Beide Arme nach hinten legen. Die Arme bleiben über einige Atemzüge in der Position liegen. Versuchen Sie, gleichmäßig in den Bauch- und Flankenraum zu atmen. Die Beine sind dabei angestellt.

Flankendehnung (Abb. 5)
In Rückenlage Beine gestreckt im Bogen zu Seite legen.
Eine Hand am Bein entlang nach unten schieben, den anderen Arm über den Kopf legen. Dehnung über mehrere Atemzüge halten. Seite wechseln.

Rumpfdehnung (Abb. 6)
Hände über den Kopf legen. Beide Beine anstellen und Knie zur Seite legen. Dehnung über mehrere Atemzüge halten. Seite langsam wechseln.

Rumpfdrehung (Abb. 7)
Aufrecht sitzen. Arme in U-Haltung, Oberkörper nach recht drehen, in die rechte Hand schauen. Mehrere Atem-züge halten, dann langsam nach links drehen.

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